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  »Hier möchte ich das anfügen, was ein sehr angesehner Geistlicher gesagt hat,
daß es nämlich die Absicht des Heiligen Geistes ist, uns zu lehren,
wie man in den Himmel kommt, nicht, wie der Himmel sich bewegt.« (Galileo Galilei)

 
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 Fegefeuer, was ist das?
(Fegefeuer, ganz real)

Bzovius, der Geschichtsschreiber Polens, berichtet uns in seiner «Geschichte Polens» zum Jahre 1590 ein Ereignis, das dem ehrwürdigen Stanislaus Chocosca begegnete, der eine Zierde des Dominikanerordens in Polen war.

Als dieser Mönch einst voll Liebe für die Armen Seelen den Rosenkranz betete, sah er, wie neben ihm eine Arme Seele erschien, ganz in Flammen gehüllt. Diese bat ihn, Mitleid mit ihr zu haben und die unsägliche Pein zu lindern, die sie im Feuer der göttlichen Gerechtigkeit erdulden müsse. Der heilige Mann fragte sie, ob dieses Feuer schmerzlicher wäre als jenes auf Erden.

Die Seele rief aus: «Oh, alle Feuer der ganzen Erde zusammengenommen sind nur ein erfrischender Hauch gegen das Feuer des Reinigungsortes.» Stanislaus konnte dies kaum glauben. Er sagte: «Ich wünschte einen Beweis dafür. Wenn Gott es zu deiner Erleichterung und zum Heil meiner Seele erlaubt, will ich einen Teil deiner Pein auf mich nehmen.»

Die Arme Seele erwiderte: «Ach, das kannst du nicht! Wisse, kein Sterblicher könnte eine solche Qual ertragen, ohne alsbald zu sterben. Indessen erlaubt Gott, dass du etwas weniges davon empfindest. Strecke deine Hand aus!» Chocosca reichte seine Hand hin, und der Verstorbene ließ einen Tropfen Schweiß darauf fallen. In demselben Augenblick stieß der Ordensmann vor Übermaß des Schmerzes einen durchdringenden Schrei aus und stürzte besinnungslos zu Boden.

Seine Mitbrüder eilten herbei und suchten ihm die nötige Hilfe zu leisten. Als er wieder zu sich kam, war er noch ganz von Schrecken erfüllt; er erzählte ihnen das furchtbare Ereignis, das ihm begegnet war, und zeigte ihnen dessen sichtbare Bestätigung an seiner Hand mit den Worten: «O meine Patres, wenn wir die Strenge der göttlichen Züchtigungen kennten, niemals würden wir auch nur die geringste Sünde begehen. Wir würden niemals aufhören in diesem Leben Buße zu tun, um den Leiden der anderen Welt zu entrinnen.»

Von diesem Augenblick an musste Stanislaus das Bett hüten. Er lebte noch ein ganzes Jahr in entsetzlichen Schmerzen, die ihm die Wunde verursachte. Dann forderte er zum letzten Mal seine Mitbrüder auf, sich der Strenge des göttlichen Gerichtes, deren schreckliches Wahrzeichen er an sich trage, stets zu erinnern, und entschlief so im Herrn.

Der Geschichtsschreiber fügt bei, dass dieses Ereignis den Eifer aller Klöster der ganzen Provinz wunderbar beseelte.

[Franz Xaver Schouppe SJ: «Die Lehre vom Fegfeuer». Brixen 1899. Teil I, Kapitel 15.]

(LWT)



 

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