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  »Hier möchte ich das anfügen, was ein sehr angesehner Geistlicher gesagt hat,
daß es nämlich die Absicht des Heiligen Geistes ist, uns zu lehren,
wie man in den Himmel kommt, nicht, wie der Himmel sich bewegt.« (Galileo Galilei)

 
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Masterplan zur Gemeindeerneuerung

Der bewährte Masterplan von Gerhard Maria Wagner zur Entwicklung des Glaubens- und Gemeindelebens am Beispiel seiner Pfarrei St. Jakob in Windischgarsten steht hier in zwei Versionen zum Download zur Verfügung und ist weiter unten aufgeführt:

#DIN-A4 zweiseitig (Vorder- und Rückseite) ==> http://download.liborius-wagner-kreis.de/Windischgarsten-Pfr-Wagner-Nota.pdf

#DIN-A4 fünf Seiten ==> http://download.liborius-wagner-kreis.de/Windischgarsten-Pfr-Wagner-Nota.pdf_DIN-A4-5pages.pdf

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Gerhard Maria Wagner

Die Entwicklung des Glaubens- und Gemeindelebens am Beispiel der Pfarrei St. Jakob in Windischgarsten / Diözese Linz

Pfarre und Pfarrer
Das Gebiet der Pfarrgemeinde, auf dem sich rund 5.300 Katholiken befinden, umfasst den Markt Windischgarsten und die Gemeinden Roßleithen, Rosenau und Edlbach; kleine Randgebiete liegen in den Gemeinden Spital/Pyhrn und Vorderstoder. In dieser Pfarre, die zur Diözese Linz gehört, bin ich jetzt schon 21 Jahre Pfarrer und Seelsorger. Offensive ist meine Gangart. Landwirtschaft, Industrie und Tourismus prägen das Leben der Leute.

In der Mitte: die Verkündigung
A1)
Nun haben sich zu allen Zeiten Menschen eingesetzt, um deutlich zu machen: Uns sind der Glaube und die Religion, der Mensch und die Kirche etwas wert. Immer wurde der Glaube weiter getragen und die Botschaft des Herrn verkündet. Menschen, die in der Geschichte lebten, haben uns ein reiches Erbe an Glaubenszeugnis und Tradition übergeben, das wir auch heute demütig und zugleich dankbar annehmen. Um den Ansprüchen der Menschen in unserer Zeit entsprechen zu können, sind wir freilich ebenso verpflichtet, darüber nachzusinnen, wie wir heute die ewige Botschaft von der Liebe Gottes verkünden, damit die Menschen den Glauben als Chance für ihr persönliches Leben entdecken und Kirche als Heimat ganz neu erfahren können.

Geistliche Erneuerung
C1)
Wenn in unseren Tagen sehr eindringlich von der Erneuerung der Kirche die Rede ist, dann denken viele zunächst an die Veränderung der kirchlichen Strukturen. Dabei wird das geistliche Leben oft verdrängt, was wiederum dazu führt, dass viele dem Zeitgeist, der den breiten Weg ausmacht, erliegen. Erst durch das geistliche Leben der Christen wird die Kirche zu dem, was sie durch die Aktivität des Menschen alleine niemals werden kann: der Raum Gottes in den Herzen der Menschen. Deshalb war es für mich als Seelsorger von Anfang an wichtig, dass in der Pfarre nicht nur Aktivisten gesetzt werden, sondern ganz wesentlich auch für die geistlichen Fundamente gesorgt wird.

„Juwelen“ in der Pfarre - Gebetsgemeinschaften in den Häusern und Dörfern.
B1)
Nachdem der Pfarrgemeinderat am 15./16. September 1989 bei seiner Klausurtagung das Thema „Wider die Resignation – Leben aus dem Gebet“ erörtert hatte, entstanden in unserer Pfarre viele Gebetsgemeinschaften, die sich ca. einmal im Monat in den Häusern treffen. Zunächst wurde die Pfarre in ca. 75 kleine und überschaubare Gemeinschaften eingeteilt. Für jede Gebetsgemeinschaft wurde ein Verantwortlicher ausersehen. Das Ziel des gemeinsamen Betens ist bis heute die Vertiefung des persönlichen Glaubens, die Verlebendigung der Pfarrgemeinschaft und ein engagiertes Christsein im Alltag. B2) Wichtige Elemente eines Gebetsabends sind: ein Schrifttext, Zeiten der Stille mit besinnlicher Musik, verschiedene Lieder, der Rosenkranz, Litaneien und Anrufungen. Dem religiösen Teil folgt eine ganz einfache Bewirtung, die dazu dient, das gemeinsame Gespräch anzuregen.

Die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten
B3)
Am 3. Dezember 1995 – es war der 1. Adventsonntag – haben wir mit der täglichen Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten in unserer Marienkapelle begonnen. Seitdem ist täglich von 8.00 – 18.00 Uhr das Allerheiligste ausgesetzt, und einer ist immer anwesend. Um wirklich präsent zu sein, haben wir dazu 262 Mitarbeiter, die eine Stunde im Monat übernommen haben. Von dieser Anbetung geht viel Segen für unsere Pfarrgemeinde aus.

• Das Beichtsakrament
B4)
Der Beichtstuhl und das Aussprachezimmer sind ein gesegneter Ort, wo der versöhnte Mensch entsteht. Beichtzeiten, wo ich zur Verfügung stehe, sind in der Pfarrkirche am 1. Dienstag im Monat von 8.30 – 10.00 und an jedem Freitag von 17.00 – 18.30 Uhr. Bei einem fremden Priester kann das Bußsakrament an einem Sonntag in der Advent- bzw. Fastenzeit in der Zeit von 7.00 – 12.00 Uhr empfangen werden. Viele Stunden zusätzlich verbringe ich vor Weihnachten und in der Karwoche im Beichtzimmer, und es sind viele, die diesen wichtigen Schritt zur Versöhnung tun. Der Herr will, dass wir uns von der Seele reden, was uns belastet. Ganz sicher ist das Bußsakrament das hauptsächlichste Mittel, die Erneuerung des christlichen Lebens zu erreichen. Immer wieder weise ich bei der Feier der hl. Messe auf die Bedeutung des Bußsakramentes und die Vergebung der Sünden hin.

• Glaubensweiterbildung
A2)
Glaubensweiterbildung ist für ein lebendiges Christsein grundlegend und wesentlich. So wurden in unserer Pfarre in der Vergangenheit schon viele Kursthemen gewählt, die von den Leuten unserer Pfarre gerne angenommen wurden: z.B. Gott, Hl. Geist, Bedeutung des Gebetes, Teresa von Avila, Franziskus, usw. Im Herbst beschäftigt sich ein Männerkurs mit der neuesten Enzyklika unseres Papstes, und der Frauenkurs mit Lebensfragen. Ebenso gibt es regelmäßig Bibelkurse für das Alte und das Neue Testament. Regelmäßig wird ein Glaubenskurs, der das ganze Credo beinhaltet, angeboten. Dazu wird eine passende Lektüre ausgewählt, die zuhause gelesen werden soll und bei der Zusammenkunft besprochen wird. Wichtig ist, dass am Ende dieser Zusammenkünfte das Gebet steht, d.h. immer der Rosenkranz gebetet wird. Regelmäßig gibt es eine Bibelstunde für Frauen – wo wir gerade den 1. Korintherbrief lesen – und eine Bibelstunde für alle, wo wir das Evangelium vom nächsten Sonntag betrachten. Diese Glaubensweiterbildung liegt in meinen Händen.

• Hausbesuche
C2)
Ganz wesentlich für die Seelsorge in unserer Zeit sind die Hausbesuche, die dem Priester und den Mitarbeitern in einer Pfarre die Gelegenheit geben, mit den Menschen ihrer Pfarre in Kontakt zu kommen. Ich gehe von Haus zu Haus und besuche Nah- und Fernstehende, um mit ihnen über das Leben und den Glauben zu reden. Ich komme zu den Eltern der Erstkommunionkinder, aber auch die Taufeltern und Brautleute werden von mir besucht, die Angehörigen eines Verstorbenen vor und nach dem Begräbnis und die alten und kranken Pfarrangehörigen. Grundsätzlich bewegt sich mein Besuchssystem aber um die runden Geburtstage, sodass ich Pfarrangehörige ab der Vollendung des 30. Lebensjahres in Haus oder Wohnung aufsuche, wenn es mir die Zeit erlaubt. Sehr viele freuen sich über meinen Besuch, nur sehr selten ist es so, dass ich nicht erwünscht bin. Von den mehr als 400 Mitarbeitern in unserer Pfarre sind viele auch unterwegs. Nicht nur, weil die Caritashaussammlung in die Häuser führt, sondern weil der Pfarrbrief persönlich ausgetragen wird, weil es einen Altenbesuchsdienst und einen Trauerbegleitdienst gibt, weil die 16 – 18jährigen von den jungen Mitarbeitern und die 19jährigen von den Pfarrgemeinderäten besucht werden. In allem aber wird deutlich: Ohne Besuch und Begegnung gibt es keine Seelsorge.

• Pilgerfahrten
C3)
Regelmäßig gibt es in unserer Pfarre auch Pilgerfahrten, die uns dorthin bringen, wo die Menschen seit Jahrhunderten pilgern: Assisi und Rom; auf den Spuren Jesu im Heiligen Land; Paulus in Griechenland, Malta und in der Türkei; Santiago, Fatima, Lourdes; auf den Spuren der Heiligen in Italien, Frankreich und Spanien. Sehr bewährt haben sich Fahrten mit der Jugend nach Rom, Assisi und Polen. Daraus ist für unsere Pfarre viel Gutes erwachsen. Wallfahrtsorte sind Rastplätze für Leib und Seele.

• Kinder und Jugendarbeit
C4)
Konkrete Impulse für die Lebensgestaltung und den Glaubensweg mit der Kirche sollen den Kindern in unserer Pfarre dienen und sie auf ein erfülltes Leben in Kirche und Gesellschaft vorbereiten. Dazu treffen sich die Gruppen – mit 25 Jungscharleitern – in regelmäßigen Jungscharstunden im Pfarrheim, in denen gespielt und gebastelt wird, aber auch religiöse Inhalte und soziale Wertvorstellungen vermittelt werden. Regelmäßig werden Familiengottesdienste gefeiert; der Höhepunkt ist das Jungschar- und Ministrantenlager im Sommer, an dem mehr als 100 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Die Jugendlichen unserer Pfarre sind in 16 franziskanische Gemeinschaften zu acht Personen organisiert; zudem ist regelmäßig am Samstag um 19.00 Uhr im Pfarrheim Jugendstunde. Jugendliche sollen zu einem frohen Glauben an Jesus Christus ermutigt und in der Liebe zur Kirche gefestigt werden. Als Seelsorger bin ich grundsätzlich dort, wo junge Leute sind.

Der Pfarrgemeinderat und die einzelnen Arbeitskreise (AK)
C5)
Der Pfarrgemeinderat ist jenes Gremium, das den Pfarrer bei der Leitung der Pfarre mitverantwortlich unterstützt und sich großzügig zur Verfügung stellt, um die Seelsorgetätigkeit in der Pfarre zu fördern. Da sich die Mitglieder des Pfarrgemeinderates und der einzelnen Arbeitskreise bei uns loyal zur Kirche sehen und sich als Ansprechpartner für alle Pfarrangehörigen betrachten, ist die Zusammenarbeit konstruktiv und sehr freundschaftlich. Neben dem AK „Finanzen“, der für das Bauliche, die Finanzen und wirtschaftliche Angelegenheiten sorgt, haben wir den AK „Liturgie“, der zu einer lebendigen Feier der Gottesdienste beiträgt; ganz wichtig ist die liturgische Bildung.
B5)
Der AK „Miteinander – Füreinander“ will für alle Menschen da sein, die durch verschiedene Umstände ein erschwertes Leben haben.
C6)
Der Caritashelfer hat dabei eine wichtige Aufgabe, der Kranken- Trauerbegleit- und Altenbesuchsdienst auch. Ebenso gibt es Altennachmittage und Altenwallfahrten. Der AK „Ehe und Familie“ fördert die Interessen unserer Familien. Er organisiert das Fest der Jubelpaare, den Familienwandertag im Herbst und die Nikolausaktion. Familienrunden sollen in Zukunft stärker forciert werden.
B6)
Der AK „Geistige Dorferneuerung“ bemüht sich um das Zusammenrücken der Menschen in den Dörfern und Häusern. Neben den Maiandachten in der Pfarrkirche werden ca. 32 Maiandachten in den Dörfern veranstaltet.
C7)
Neuzugezogene werden besucht. Eine wichtige Aufgabe ist die Betreuung der Pfarrblattausträger und Gebetskreisleiter.
B7)
Die bestehenden Gebetsgemeinschaften sollen gefestigt, neue sollen ins Leben gerufen werden. Ebenso organisiert dieser Arbeitskreis den jährlichen Pfarrausflug, die Bergmesse, den Nationalfeiertag und den Pfarr-Skitag.
A3)
Der AK „Verkündigung“ bietet Hilfen zur Weiterbildung an. Er gestaltet den Schaukasten, den Pfarrbrief (5x im Jahr) und das Internet. Im Laufe eines Jahres gibt es verschiedene Vorträge und im November die Buchausstellung, wo wir uns bemühen, das katholische Buch in die Familien zu bringen.
C8)
Der AK „Europa und Weltkirche“ schaut auf jene, die als Touristen in unser Tal kommen, ebenso auf die katholischen Ausländer, die aus dem Osten kommen. Und schließlich ist es der AK B8) „Lebensbegleitung“, der sich um Spiritualität und psychische Zuwege zu unseren Pfarrangehörigen bemüht.

Ausblick

Alles wird auch in Zukunft in unserer Pfarre davon abhängen, B9) dass wir im Herrn sind und uns in ihm bewegen (Apg 17,28). In Treue zu Papst und Kirche wollen wir C9) das Wort Gottes verkünden und in Liebe wollen wir füreinander dasein, einander dienen und dort nicht fehlen, wo wir nötig sind. Im Zeugnis wollen wir ausharren, zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen wollen wir wirken.

* * *

Das obige Exzerpt stammt aus: Katholische Montaszeitschrift „Der Fels“, Ausgabe Dezember 2009
Autor: Pfarrer Gerhard Maria Wagner von St. Jakob in Windischgarsten / Diözese Linz.

© Der Fels

(LWT)



 

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