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  »Hier möchte ich das anfügen, was ein sehr angesehner Geistlicher gesagt hat,
daß es nämlich die Absicht des Heiligen Geistes ist, uns zu lehren,
wie man in den Himmel kommt, nicht, wie der Himmel sich bewegt.« (Galileo Galilei)

 
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Katholisch sein

"Die Katholische Kirche und die Polarisation"
P. Eugen Mederlet OFM (+1992)


Es ist eine weitverbreitete Verunsicherung darüber entstanden, was Katholisch-Sein heißt und was unaufgebbar katholisches Glaubensgut ist. Zudem haben manche eine ängstliche Hemmung, sich als katholisch zu bezeichnen, und die ehemals katholischen Zeitungen haben diese Bezeichnung gestrichen. Man fürchtet, sich verletzend gegen nichtkatholische Christen abzugrenzen, oder man zieht in Erwägung, daß ein toleranter Pluralismus die Glaubensschau ablösen müsse, nach der die katholische Kirche die volle göttliche Offenbarung authentisch umfaßt.

Das Wort "katholisch" kommt vom griechischen kat-holon mit der Bedeutung "von oben her über das Ganze hin, allumfassend". Seit der ältesten Tradition ist damit gemeint, daß die katholische Kirche zu allen Zeiten hin gesandt sei und von Christus alle Glaubensoffenbarung und alle Gnadenkräfte im Heiligen Geist zu Treuhand empfangen habe; daß sie also zeitlich, räumlich und inhaltlich allumfassend sei.
An diese Beschreibung stellt sich sogleich die kritische Frage, die alle anderen Fragen umschließt: Mit welchem Recht kann sich die Katholische Kirche eine solche Bedeutung und Sendung zuschreiben und damit unvermeidlich eine Polarisierung in die Christenheit tragen?

In der Tat: Wenn die Katholische Kirche wirklich vom erhöhten Christus an Pfingsten als die Treuhänderin all seiner Gnadengaben eingesetzt wurde und von ihm die Fülle des Heiligen Geistes empfing, so besteht zwischen ihr und dem sie relativierenden Pluralismus ein unaufgebbarer Widerspruch. Wie weit auch der Pluralismus seine Weltoffenheit und Toleranz spannt, er wird immer das eine ausschließen, daß nämlich die Katholische Kirche von Christus bevollmächtigt und beauftragt ist, in seinem Namen seine göttliche Offenbarung (Anm. ...nämlich die Wahrheit, die Jesus Christus selbst ist) authentisch zu hüten und zu verkünden (Anm. ... und daß die Wahrheit im Gegensatz zur Lüge tatsächlich existiert). Und wie dialogbereit auch die Katholische Kirche sein mag, sie muß immer einen Pluralismus ablehnen, der die durch die Kirche verkündete göttliche Offenbarung in die Gesamtheit der theologischen Meinungen einreiht.

Es untersteht keinem Zweifel, daß die Katholische Kirche sich seit Pfingsten durch alle Zeiten als der Leib Christi erkannt und bekannt hat und sich als seine Braut sieht, deren magdlicher Treue Er seine göttliche Offenbarung und seine Gnadenkräfte anvertraut hat. Auch im Zweiten Vatikanum bezeugt die Kirche diesen Glauben und drückt dies an vielen Stellen in verschiedenen Zusammenhängen aus. Wer diese Selbsterkenntnis und das Selbstzeugnis der Kirchen als irrig ablehnt, muß die Wahrheit als vielgestaltig und sich entwickelnd und die Kirche demnach als in ihrem Wesen veränderlich ansehen und sich entweder von der Katholischen Kirche trennen oder sie von innen her verändern wollen.

So ist eine latente Spaltung in die Kirche eingedrungen, die ihr Wesen betrifft. Es geht nicht mehr darum, einzelne Irrtümer zu widerlegen; es geht um das Geheimnis der Kirche selbst. Eine Klärung der verworrenen Situation innerhalb der Katholischen Kirche ist nur möglich, wenn die Unvereinbarkeit von Pluralismus und göttlich beglaubigtem Lehramt auf beiden Seiten klar bewußt und anerkannt wird.

Wie soll in einzelnen Glaubenswahrheiten Einigkeit erlangt werden, wenn die eine Seite für wandelbar hält, was die Kirche auf Grund göttlicher Offenbarung durch Christus als unwandelbar annimmt und verkündet? Selbst bei verbaler Übereinstimmung bliebe im Motiv der Zustimmung die wesentliche Spaltung bestehen; es würde nicht das gleiche ausgesagt. Es stehen sich Ideologie und Glaubensgewißheit unvereinbar gegenüber.

Wir können eine Ideologie etwa folgendermaßen beschreiben:
Es wird eine unbewiesene Aussage pseudowissenschaftlich und schlagwortartig auf ein bestimmtes Ziel hin gewählt und als gewiß (Anm., ...als Wahrheit) gesetzt, nach welcher alles damit Zusammenhängende gedeutet und umgedeutet wird. So hat z.B. die Naturwissenschaft, entgegen ihrer Aufgabe, nur das objektiv Erkennbare zu erforschen, den unbewiesenen und nichts erklärenden Satz gesetzt (Anm., ...als Wahrheit verkündet), alle Formen, Gattungen und Arten seien durch zufällig entstandene Mutationen geworden. Nach diesem Satz wird das Nacheinander des geschichtlichen Werdens der sichtbaren Welt, entgegen der Sprache der Tatsachen und unter Ausschluß der Schöpfung durch Gott, erklärt und so als Wissenschaft in den Schulen gelehrt.

Ähnlich beeinflußt heute eine Ideologie die Öffentlichkeit der Katholischen Kirche, nach der der christliche Glaube keine von Christus geoffenbarte und der Kirche anvertraute göttliche Wahrheit ist, die alle Menschen verpflichtet; die Wahrheit sei vielmehr diffus in allen Religionen vorhanden und unterscheide sich nur durch verschiedene, wandelbare Konkretisierungen und Ausprägungen. Im Kulturwandel, in dem wir stehen, sei es nötig, die bisherigen Glaubensbekenntnisse, Dogmen und Sittenlehren und auch die Heilige Schrift selber zu hinterfragen; denn sie seien Denkformen und Ausprägungen, die früheren Kulturen entsprachen, heute aber von einer neuen Theologie der heutigen Denk- und Lebensweise gemäß umgeformt werden müssen. So verändere sich die Kirche ständig im Wandel der Kulturen.
(Anm., ...wobei diese o.g. neue Theologie unter der Überschrift einer notwendig gewordenen "ökumenischen Neuübersetzung der Offenbarung in die heutige Zeit" tatsächlich unmerklich eine grundsätzliche Umformung der Kirche von innen her betreibt.)

Leonardo Boff schreibt in "Kirche: Charisma und Amt": "Was das Christentum sein soll, wissen wir nicht, wir wissen nur, als was es sich im historischen Prozeß erweist." Damit wird die göttliche Person Jesu Christi in Frage gestellt. Seine Offenbarung wird ihres ewigen göttlichen Wesens und ihrer Einzigkeit entkleidet und zu einer Stufe innermenschlicher Evolution gemacht. Von dieser Prämisse aus werden die ganze Heilige Schrift und alle bisherigen kirchlichen Verkündigungen hinterfragt.

Damit ist die Ökumene mit allen so Gesinnten problemlos geworden. Das Festhalten der Kirche an trennenden Glaubensunterschieden, aber auch das Glaubensbekenntnis der Reformation erscheint als beherrschender Zwang, der das Einswerden verhindert.

Es ist offensichtlich, daß in einer solchen Ideologie das Selbstzeugnis der Kirche, sie sei Verkünderin der göttlichen Wahrheit, als unerträgliche Anmaßung und überholter Starrsinn erscheint (Anm., ...ganz im Sinne der political correctness!) und eine Polarisierung bewirkt, welche Einheit zerstört und die Menschen in Unmündigkeit zurückhält.

Damit ist von Seiten dieser Ideologie die Polarisierung klar gegeben, da sie die göttliche Verkündigungsvollmacht der Kirche vom Dialog ausschließt und mit allen Kommunikationsmiteln darum kämpft, die öffentliche Meinung dem katholischen Lehramt zu entfremden. Umgekehrt aber wird den glaubenden Katholiken nicht zugebilligt, sondern vorgeworfen.

Dieser Kampf ist so erfolgreich, daß die katholisch Glaubenden von Zweifeln und Ängsten befallen werden. Eingeschüchtert durch den Vorwurf, daß sie durch Polarisierung die Einheit stören, vermeiden viele jedes öffentliche Bekenntnis zur göttlichen Vollmacht der Kirche, ja dieser Glaube hört unmerklich auf.

Unsere Zeit will die Gegensätzlichkeit von Wahrheit und Irrtum wegtäuschen und durch Anpassung die Einheit machen. Sie will den Frieden bringen, wie die Welt ihn gibt. Christus aber sagt, Er bringe das Schwert, nämlich das Schwert aus seinem Mund, das Wort der Wahrheit, das vom Irrtum scheidet. Sein Friede ist dieses Geschenk der göttlichen Wahrheit, die den frei macht, der sie annimmt.

Die Zeit ist da, daß Katholiken und ihre Hirten die Angst abschütteln; denn ihr heiliger Auftrag ist, die Wahrheit Christi als das hohe Heilsgeschenk furchtlos an die Welt zu verkünden, und diese Wahrheit scheidet den Irrtum aus.

Wer so freimütig den katholischen Glauben bekennt, muß sich freilich auf Verfolgung gefaßt machen. Die Verfolgung ist die normale Situation der Kirche. Jesus hat es klar vorausgesagt: "Wenn die Welt euch haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen"(vgl.Joh 15,18-20). "Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen; wenn sie euch alles Böse lügnerisch nachsagen, euch schmähen und euren Namen als schlecht wegwerfen um des Menschensohnes willen. Freut euch und frohlocket, denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel" (vgl. Luk 6,22-23; Mt 5,11).

Welch herrliche Gewissheit, in der Wahrheit zu sein, können uns diese Worte Jesu geben!
In der Tat trifft alles, was Jesus hier voraussagt, auf unsere Zeit zu. Es wird tatsächlich alles, womit man uns beschuldigt, lügnerisch ausgesagt; wir werden geschmäht, indem man unseren Glauben als etwas Minderwertiges hinstellt und der Name Römisch-Katholisch wird als schlecht weggeworfen. Das tun sie deshalb, weil sie nicht an den Menschensohn als Sohn Gottes glauben. Wenn nämlich Jesus nicht der wahre Sohn, die Zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, ist, dann kann auch Maria nicht jungfräuliche Gottesmutter sein, das Brot kann nicht Sein Leib und der Wein nicht Sein Blut werden. Die Wunder sind eben alle nicht geschehen, und Er kann auch keine Kirche gegründet haben.

Als Jesus Christus den Aposteln die Verfolgung voraussagte, fügte er hinzu:" Freut euch und frohlocket!" Diese Aufforderung Jesu sollen wir mit großem Gewicht in unsere Gesinnung nehmen. Wahrhaftig, wir können uns freuen, denn wir sind der Wahrheit gewiß, gerade weil wir so hilflos ausgeliefert sind. Unsere Gegner haben diese Gütezeichen nicht; sie sind nicht verfolgt, sondern haben die Macht und üben sie aus. Gerade unsere Schwachheit muß uns Zuversicht geben. Christus hat dieses Unterlegensein vorausgesagt; wir, die Verfolgten, tragen die Kirche in die Zukunft.

Lassen wir uns nicht erschrecken! Suchen wir nicht krampfhaft, uns zu verteidigen. Die Voraussetzungen zu einem fruchtbaren Gespräch sind nicht gegeben. Unsere Gegner behaupten ohne jeden Beweis, daß unser Glaube nicht aus der Vollmacht Christi stamme, sondern lediglich ein Produkt unserer Angst sei. Damit entziehen sie uns zum vorneherein jede Legitimation zu einem Gespräch, was einer Vergewaltigung gleich kommt.

Ein Gespräch ist erst dann möglich, wenn wir uns gegenseitig zwar verschieden und vielleicht falschen aber guten Glauben zugestehen. Solange uns dieser gute Glaube nicht zugestanden wird, brauchen wir auf keine Anschuldigung zu antworten. Es ist die Situation der von Christus vorausgesagten Verfolgung. Wir nehmen sie an.

Ohne jemanden zu hassen, leben wir in aller Einfalt unseren Glauben. Wir bekennen ihn ohne Hemmungen und ohne Erwartung von Erfolg, nur mit der Hoffnung auf die Bekehrung der Ungläubigen zum Glauben. Und allen Spöttern zum Trotz wagen wir, uns auf den Himmel zu freuen; da ist unser Lohn, vom Herrn bestätigt, auf ewig sicher.

Quelle:
P. Eugen Mederlet OFM +1992, Wiesenberg - Letztes Sendschreiben - Frühjahr 1992

(Anmerkungen: ANY)

(LWT)



 

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