IK-Nachrichten
8/2012 Seite 2
wir die Ärmel hochkrempeln und anpacken, durch ein vor-
bildliches Leben aus den Sakramenten, durch harte Arbeit,
durch die Last der (gütigen) Ermahnung, durch das gedul-
dige Ertragen von Krankheit und Not …
Das Kreuz zu umfassen, sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist
schön, ist wahr, ist gut. In einer Kunststoffwelt und im
Kabelsalat vorbildlich zu leben ist besser als einer Ausstei-
germentalität folgend, allem den Rücken zu kehren zu ver-
suchen. In Treue zum und in Unterordnung unter dem
Papsttum in der Kirche auszuharren und zu kämpfen ist
besser als in teilweiser Abkopplung vom Papst ein Biotop
einer scheinbaren Spitzenkatholizität zu kultivieren.
In unserer Welt des Wohlstands ist vielleicht eines der
gefährlichsten Irrtümer zu meinen, das (im Grunde ge-
nommen sehr unchristlich vorgestellte) Paradies auf Erden
sei möglich, in der Welt oder in der Kirche. Eine übertrie-
bene Umweltschutzideologie, die Bevölkerungskontrolle
sind Folgen im weltlichen Bereich, der Spaltpilz die Folge
im kirchlichen Bereich.
Machen wir ruhig einen Erholungsurlaub am Meer oder im
Gebirge, aber hören wir niemals auf, am Reich Gottes zu
bauen, das nicht von dieser Welt ist. Gottes- und Nächsten-
liebe sind dabei die Hauptgebote. Der (gute) Kampf in der
Welt und in der katholischen Kirche unverzichtbares Mit-
tel.
„Diese Welt ist ein Schauplatz des Kampfes und der Wech-
selfälle im Kampfe. Die Kirche steht immer unter den Waf-
fen; bald gewinnt sie, bald verliert sie; und noch häufiger
gewinnt und verliert sie zu gleicher Zeit in verschiedenen
Gegenden. Was ist die Kirchengeschichte anderes als eine
Erzählung des immer zweifelhaften Kriegsglückes, ob-
gleich der Ausgang des Kampfes nicht zweifelhaft ist?
Kaum haben wir das Tedeum angestimmt, und schon müs-
sen wir zu unserem Miserere zurückkehren. Kaum sind wir
im Frieden, und schon droht die Verfolgung. Kaum haben
wir einen Triumph errungen, und schon gibt es neues Är-
gernis. Ja, wir machen Fortschritte durch unseren Rück-
schritt; unser Kummer ist auch unser Trost; wir verlieren
den Stephanus, um Paulus zu gewinnen, und Matthias tritt
an die Stelle des Verräters Judas.“ (John Henry Newman,
zit. nach Läpple, Kirchengeschichte in Dokumenten,1958)
Die BKK IHV, die einzige gesetzliche Krankenkas-
se in Deutschland, bei der Mitglieder ihren Ver-
zicht auf Abtreibung erklären konnten, wird ge-
zwungen, diese Lebensrechtsaktivität einzustellen
Die meisten werden wissen, dass wir in Deutschland so
weit sind, dass Abtreibungen von Krankenkassen (vor-)
finanziert werden. Die Krankenkassen, die dazu da sind,
als Solidargemeinschaft im Krankheitsfall zu helfen, wur-
den dazu degradiert, das Töten zumindest vorzufinanzie-
ren.
Wer darunter litt, konnte Mitglied der BKK IHV werden.
Erklärte er seinen freiwilligen Verzicht auf die „Versiche-
rungsleistung“ Abtreibung, so wurde er in einer extra ein-
gerichteten Pro Life Verwaltungsstelle der BKK IHV ge-
führt und bekam eine Krankenversicherungskarte mit der
klar lesbaren Aufschrift „Ich verzichte auf Abtreibung!“,
ein klares Zeugnis für das Leben. Dies alles war möglich
aufgrund eines Kooperationsvertrages zwischen der BKK
IHV und ProLife Deutschland.
Laut kath.net haben die im SPIEGEL und in der Süddeut-
schen Zeitung publizierten Angriffe, ein Schreiben von pro
familia Deutschland
und zuletzt massiver Druck aus dem
Bundesversicherungsamt die BKK IHV gezwungen, ihre
Lebensrechtsaktivität einzustellen.
In der Presseerklärung der BKK IHV heißt es: „Der Ver-
waltungsrat der BKK IHV hat in seiner Sitzung am 21. Juni
2012 beschlossen, den Kooperationsvertrag zwischen der
BKK IHV und der ProLife Marketing GmbH zu beenden.
Das für die Rechtsaufsicht zuständige Bundesversiche-
rungsamt vertritt die Auffassung, der Kooperationsvertrag
verstoße gegen verschiedene Rechtsvorschriften, und stellte
in Aussicht, juristisch gegen die Kooperation vorzugehen.
[…]“
Vorträge Altötting 2012 (1)
Nach den Vorträgen, die im Rahmen unserer Wallfahrtsta-
ge in Altötting gehalten werden, treten nicht wenige auf die
Veranstalter zu, um zu fragen: „Wo können wir diese Vor-
träge nachlesen? Wurden sie aufgenommen? Können wir
sie bekommen?“
Berechtigte Fragen angesichts der hervorragenden Quali-
tät der meisten Vorträge.
Wir wollen uns in Zukunft verstärkt darum kümmern, unse-
re Altöttinger Vorträge als Text und als Video zur Verfü-
gung zu stellen. So erreichen sie ein breiteres Publikum,
auch diejenigen, die nicht nach Altötting kommen konnten.
In dieser Nummer drucken wir den ersten Vortrag der
Altöttinger Wallfahrtstage 2012 ab. Dieser Vortrag von H.
H. Pfarrer Dr. Guido Rodheudt wurde am 08. Juni 2012 in
der Mehrzweckhalle des Altöttinger Franziskushauses ge-
halten:
Pfarrer Dr. Guido Rodheudt:
Von der Pfarrei zur Gemeinde. Über die kalten Wege
der zweiten Reformation in Deutschland
Wann immer man sich gegenwärtig in die Nähe des von
Kirchensteuermitteln hübsch aufgemachten und in bunte
Farben gehüllten deutschen Nationalkatholizismus begibt,
landet man früher oder später im Stuhlkreis – also in jenem
modernen Chorgestühl, in dem man sich regelmäßig zu
versammeln hat, wenn man an den Planungen und Diskus-
sionen teilnehmen will, die augenblicklich das Schicksal
der deutschen Kirche zu bestimmen versuchen.
Im Gegensatz zum monastischen Gestühl ist der Stuhlkreis
jedoch geschlossen und weder nach den Seiten noch nach
oben offen. Aus ihm erklingt kein Lobpreis, der sich in die
Höhe eines über ihm bewölbten Kirchendaches verflüchtigt
und er ist auch nicht in der Lage sich nach Osten zu wen-
den, dorthin, woher der wiederkommende Christus, die
Parusie erwartet wird.
Der Stuhlkreis ist und bleibt hermetisch abgedichtet. Er
will nicht offen sein. Anders als die klassischen Kreuzgän-
ge, die ein nach den Seiten begrenztes Quadrum bilden,
weil sie sich vom Lärm der Straße nach innen befreien
wollen, um mit umso größerer Konzentration nach oben in