IK-Nachrichten
02/2012 Seite 2
auf den Er Seine Kirche baut, niemals in das Tosen der
Brandung stürzen.
Und wir, die einfachen Gläubigen, sollten nicht ohne ge-
naue Kenntnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils dar-
über urteilen. Wer nicht einmal die Konzilstexte studiert
hat, sollte sich mit hausgemachten Theologien zurückhal-
ten. Halten wir uns an den Papst, führen wir ein gut katho-
lisches Leben aus den Sakramenten, beten wir, pflegen wir
die eucharistische Anbetung und bringen wir kleine Opfer.
Opfern wir zumindest unsere Leiden auf. Und bitten wir
um die rechte Gottes- und Nächstenliebe.
Natürlich, es gibt schreckliche Mißstände in der Kirche.
Doch diese können wir bekämpfen, am besten durch ein
heiligmäßiges Leben. Selbstverständlich bedarf das heilig-
mäßige Leben einer soliden geistlichen Grundlage. Des-
halb müssen wir uns einsetzen für möglichst viele Orte mit
einer tadellosen, gottgefälligen Liturgie und gut ausgebil-
deten und frommen Priestern, die in voller Einheit mit dem
Hl. Stuhl stehen. Im deutschsprachigen Raum und darüber
hinaus ist die postkonziliare Liturgie im allgemeinen derart
verbunden, um nicht zu sagen verklebt mit liturgischen
Missbräuchen, dass wir die überlieferte Liturgie als Heil-
mittel brauchen.
Und vergessen wir eines nicht. Wir sollen Seelen retten.
Draußen warten Menschen auf uns, die schrecklich leiden,
Alte, Kinder, Vereinsamte, Kranke. Wir können sie zu
Christus führen, wenn wir uns ihrer annehmen. Ein Besuch
auf einer Demenzstation eines Altenheimes oder in einer
Kindertagesstätte, in der schon 8 Wochen alte Babys abge-
geben werden können, genügt, um das zu illustrieren.
Zum Schluss dieser Überlegungen sei festgestellt: Kein
aufrechter Katholik versteht unter Religionsfreiheit oder
Ökumenismus etwas Falsches. Wir sollten diese Begriffe
nicht überstrapazieren. Deshalb, liebe Piusbruderschaft,
gebt euch endlich einen Ruck, nicht hin zu falschen Leh-
ren, die Rom nicht von euch erwarten darf und wohl kaum
erwartet, einfach nur hin zur vollen Einheit mit dem Hl.
Stuhl. Die Verhandlungen dürfen nicht scheitern. Gemein-
sam können wir viel erreichen.
Ein Vorbild im Glauben? - Bundespräsident Wulff
und das PID-Gesetz
Am 7. Juli 2011 hat der Deutsche Bundestag mit deutlicher
Mehrheit ein Gesetz zur Regelung der Präimplantationsdi-
agnostik (PID) beschlossen.
Demnach dürfen menschliche Embryonen, die durch extra-
korporale Zeugung entstanden sind, vor der Implantation in
die Gebärmutter einer genetischen Untersuchung unterzo-
gen und im Falle der Entdeckung genetisch bedingter
Krankheiten oder Behinderungen „ausgesondert“, d. h.
getötet werden.
Dieses Gesetz, das zwischen lebenswertem und lebensun-
wertem Leben unterscheidet und sich, ebenso wie die der-
zeit geltende Regelung des Schwangerschaftsabbruchs,
dem „Recht“ des Stärkeren verpflichtet weiß, trat nach
Ausfertigung durch den Bundespräsidenten am 8. Dezem-
ber 2011 in Kraft.
Bundespräsident Wulff sei „ein Katholik, der seinen Glau-
ben lebt“ und „ein Vorbild im Glauben“, meinte Erzbischof
Zollitsch im Vorfeld des letztjährigen Papstbesuchs die
deutsche Öffentlichkeit belehren zu müssen (Die Tagespost
vom 01. 09. 2011, S. 1). Träfe diese Einschätzung des Vor-
sitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu, hätte sich
Bundespräsident Wulff geweigert, dieses schändliche Ge-
setz zu unterzeichnen. (Bl)
FAZ zur neuen „Scheindemokratie“:
„Zersetzungsmaßnahmen gegen nicht Zustim-
mungswillige“
In einem äußerst wichtigen Beitrag von Jochen Krautz
(FAZ 29.9.11, S. 8) wird erläutert, wie mächtige Interes-
senten unser Bildungswesen an allen demokratischen In-
stanzen vorbei manipuliert haben. Da die Methode auch
auf anderen Sachgebieten erfolgreich war, lohnt eine aus-
führliche Zitierung, zumal andere Medien den skandalösen
Vorgang – aus welchen Gründen auch immer – unerwähnt
lassen.
„Handelt es sich um eine Scheindemokratie, die den
Volkswillen als zufällig und lenkbar ansieht?... Zunehmend
(geben) auch Stimmen aus Wirtschaft und Politik das
längst offensichtliche Scheitern der Bildungsreformen um
Bologna und Pisa zu. Wie aber sind Pisa und Bologna ge-
gen alle Vernunft, aber mit offenbarer Macht am Willen
der meisten Beteiligten und der Bürger vorbei durchgesetzt
worden?
Darüber geben die globalen und europäischen Akteure des
Bildungsumbaus selbst Auskunft. Die OECD, als Wirt-
schaftsorganisation verantwortlich für den Pisa-Test, sieht
in ihrem Verfahren vergleichender Kontrolle (Peer-
Review) den ‘effizientesten Weg, Einfluss auf das Verhal-
ten souveräner Staaten zu nehmen. Dazu diene die ‘naming
and shaming technique‘: Wer nicht dem Pisa-Kodex ent-
spricht, wird am medialen Pranger bloßgestellt.
Obwohl die OECD keine unmittelbare demokratische Legi-
timation hat, setzt sie die eigenen normativen Ansprüche
politisch durch. Pisa 2000 formulierte bereits, dass der Test
keine Rücksicht auf nationale Lehrpläne nehme – also auf
das, was unsere Schüler tatsächlich gelernt haben. Viel-
mehr verfolge man ein eigenes ‘didaktisches und bildungs-
theoretisches Konzept‘, das ‘normativ‘ wirke…
Wer nicht unmittelbar demokratisch legitimiert ist, nutzt
Mittel indirekter Einflussnahme. Diese Strategie ‘sanfter
Steuerung‘ (soft governance) im Bildungswesen wurde
mittlerweile von Wissenschaftlern des Sonderforschungs-
bereiches 597 der Universität Bremen empirisch verifiziert.
EU und OECD haben demnach das gerade nicht funktiona-
listisch ausgerichtete deutsche Bildungsdenken erfolgreich
verdrängt, indem man mit einer Flut von Gutachten, Erklä-
rungen und ‘semiakademischer Prosa‘ gezielt bestimmte
Ideen in die öffentliche Diskussion einspeiste. Dazu gehö-
ren Koordination und Überwachung der Reformen sowie
verhaltungssteuernde Standards. Dabei sei erstaunlich, wie
leicht nationale Bildungsideen umgekrempelt und soge-
nannte ‘Veto-Player‘ ausgeschaltet werden konnten - ge-